Wenn hier von Strategien die Rede ist, ist damit gemeint, dass man den Plan hat bestimmte Ereignisse im Chart zu handeln.

Dazu zwei einfache Beispiele:

1. einfacher gleitender Durchschnitt über 20 zurückliegende Perioden. (MA20)

Wir nehmen einen 5 Minuten Kerzenchart vom FDax und zeichnen eine MA20 Linie hinein. MA20 ( Mittelwert / Moving Average) bedeutet, die Linie bezieht sich auf einen Durchschnittswert des Schlusskurses der letzten 20 gezeichneten Kerzen.

Nun die Regel zum Handeln:

Schneidet eine Kerze die MA20 Linie von unten mit Schlusskurs über dieser Linie, und der Eröffnungskurs der nächsten (aktuellen) Kerze liegt ebenfalls über der Linie, wird gekauft.
Schneidet sie auf gleiche Art von oben kommend  wird verkauft.

Das ist einfach, oder? Versuchen Sie es einmal manuell...

Schauen wir uns dazu einen Chart an:

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An den gelb markierten Punkten finden sich die Ein- und Austiege, das hinterlegte Raster steht für 10 Punkte, der Chart ist vom Dax. Es gibt ein paar Ein und Ausstiege, die eher als Fehlsignale gewertet werden könnten, aber kostentechnisch relativ zu vernachlässigen waren. Die vier größeren Bewegungen hätte man aber alle mitgenommen.
Die Strategie hinter diesem System ist, immer investiert zu sein, entweder auf der Longseite (über der Linie) oder auf der Shortseite (unter der Linie). Da der Kurs immer in Bewegung ist, sollte die Strategie auch profitabel sein, lässt sich aber, so einfach es auch aussieht, nicht so leicht manuell handeln...

 



2. Münzwurf vor zu erwartender Nachricht oder auch ein direkter Straddle

Wir werfen eine Münze (nicht lachen bitte), die über Longeinstieg oder Shorteinstieg entscheidet. Und zwar dann, wenn wir eine Kursbewegung in eine bestimmte Richtung erwarten (Zinsentscheid, Wahlausgang, andere börsenrelevante Nachrichten). Dann setzten wir die Order mit fixem Stop.

Liegen wir richtig, und der Kurs bewegt sich fortan in die richtige Richtung, ziehen wir unseren Stop schnell und regelmäßig nach und werden irgendwann mit (vielleicht hohem) Gewinn ausgestoppt.
Liegen wir falsch, werden wir sofort ausgestoppt. 

Hier wird das Prinzip "Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen" unter Zuhilfenahme von Wahrscheinlichkeitsrechnung "gespielt". Bei genügender Anzahl Trades ist man am Ende auch hier profitabel, so komisch das auch klingt. 

Alternativ könnte man eine abgewandelte Form der Strategie spielen und vor einer  anstehenden kursrelevanten Nachricht in beide Richtungen "pending orders" setzen, nach Bekanntgabe ein wenig warten, da manchmal die erste Richtung die falsche ist,  und dann die unweigerlich entstehende Verlustposition schliessen, die Gewinnposition jedoch durch nachgezogene Stopps ausreizen.  Sollte die erste Richtung mit ausgelöster Order die richtige sein, löschen Sie einfach die noch wartende pending order und trailen die ausgeführte ins Ziel...

Probieren Sie es selbst einmal auf dem Papier aus, wenn Sie mir nicht glauben...